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Arbeitspaket 2

Qualitative Untersuchung des aktuellen Liefersystems in NRW

Lieferanten

Die Betriebsstrukturen der Schulobstlieferanten stellten sich als ausgesprochen heterogen dar. Die Schulen werden von 1-Personen-Betrieben, selbstvermarktenden Agrarbetrieben, aber auch von internationalen Handelsunternehmen versorgt.

Die Lieferanten unterscheiden sich in Hinblick auf die Anzahl der von ihnen belieferten Schulen sehr stark voneinander (Abb. 1). Die Hälfte der Lieferanten beliefert lediglich ein bis zwei Schulen. Lediglich 13 % der Lieferanten beliefern mehr als zehn Schulen. In der Summe versorgen sie damit allerdings mehr als die Hälfte aller Schulen und sind somit in der Lage, einen relativ hohen Umsatz aus dem Schulobstprogramm zu generieren. Bei diesen Lieferanten handelt es sich in erster Linie um Klein- und Kleinstunternehmen, die in den dichter bevölkerten Regionen NRWs, wie dem Rheinland oder dem Ruhrgebiet, angesiedelt sind. In den dünner besiedelten Randgebieten finden sich vor allem Lieferanten mit wenigen Schulen, bei denen zumindest teilweise nicht ökonomische Beweggründe für die Teilnahme am Schulobstprogramm im Vordergrund stehen. Für diese Unternehmen sind die sozialen Bindungen zu den Schulen von besonderer Bedeutung.

Eine wichtige Bezugsquelle für viele Lieferanten ist der Großmarkt; andere produzieren selbst, wobei die vollständige Belieferung aus eigener Produktion nicht beobachtet werden konnte. Einzelne Händler liefern ausschließlich oder teilweise Produkte aus ökologischem Anbau.

Für einige Lieferanten bietet das Schulobstprogramm erstmals die Möglichkeit, ihre Waren über andere Vertriebskanäle als feste Verkaufsstätten (z.B. eigenes Obst- und Gemüsegeschäft) anzubieten.

Für die meisten Lieferanten stellt die Bürokratie des Schulobstprogramms ein wesentliches Hemmnis dar. Besonders absatzstarke Lieferanten konnten die bürokratische Belastung durch eine selbstständig entwickelte oder erworbene Verwaltungssoftware reduzieren. Für viele, vor allem kleinere Lieferanten ist das jedoch nicht möglich. Hier gefährdet der hohe Verwaltungsaufwand eine Kostendeckung  und stellt somit einen der zentralen Beweggründe für einen Ausstieg aus dem Programm dar.

In einem Workshop mit aktiven Lieferanten im November 2013 wurde versucht, Lösungsansätze für die administrative Abwicklung zu entwickeln.

Schulen

Kühlschranklagerung in einer Schulklasse

In den Schulen wird das EU-Schulobstprogramm organisatorisch sehr unterschiedlich umgesetzt. Die Zubereitung und Verarbeitung des Obstes und Gemüses wird teils durch Eltern, teils durch Lehrer, Ein-Euro- bzw. OGS-Kräfte oder Schüler vorgenommen. In den meisten Fällen werden die Kinder - wie von der Landesregierung gewünscht - aktiv eingebunden. Das Erlernen der Obst- und Gemüsezubereitung, das Kennenlernen verschiedener Arten und Sorten (Warenkunde) sowie die praktische Anwendung von Mathematik und die Stärkung sozialer Kompetenzen im Zuge der Zubereitung und Verteilung von Obst und Gemüse werden von den Schulobstverantwortlichen hervorgehoben. Besondere Bedeutung haben diese Aspekte an so genannten Brennpunkt- und Förderschulen.

Unter Berücksichtigung hygienischer Anforderungen sowie der Sicherstellung der Produktqualität ist die pädagogisch gewünschte Einbindung der Schüler, besonders wenn die Zubereitung im Klassenraum stattfindet, anspruchsvoll und schwierig. Eine Herausforderung ist es darüber hinaus für einige Schulen, adäquate Lagerbedingungen zur Verfügung zu stellen.

Das Zustandekommen der Geschäftsbeziehung zwischen Lieferanten und Schulen gestaltet sich sehr unterschiedlich. So gibt es vor allem zum Schuljahresbeginn auf manche (neue) Schulen einen wahren Ansturm von Angeboten, während andere Schulen aktiv  Lieferanten suchen und z.T. zunächst noch nicht registrierte Lieferanten zu einer Teilnahme an dem Programm motivieren müssen.

Obstportionen

Die Schulen äußern nicht nur eine allgemeine Begeisterung für das Projekt, sondern sind darüber hinaus auch weitestgehend mit ihren Lieferbeziehungen zufrieden. Lediglich gelegentlich wird Kritik an der Qualität und der Variationsbreite geäußert. In einzelnen Fällen führte dies schon zu einem Wechsel des Lieferanten.