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e-H@C HUPAction

Workshop verdeutlichte komplexe Meldestrukturen für Krisenfälle

Teilnehmer am EHEC-Workshop

Als im Frühjahr 2011 Europa von der EHEC-Krise in Deutschland aufgeschreckt wurde, führte die Verunsicherung rund um die Infizierung von Gemüse zu gewaltigen Einbussen in der Produktion bzw. dem Handel sowie Export von Gemüse. Zudem verursachten die EHEC-Erreger zahlreiche Erkrankungen und Todesfälle. In den Niederlanden hatte man ungefähr zur gleichen Zeit in verschiedenen Gemüsen ESBL-Bakterien gefunden. Im Verlauf des Geschehens zeigte sich, dass es an einer klaren grenzüberschreitenden Kommunikation der Verantwortlichen und abgestimmten Aktionsplänen fehlte. Dies führte zur Initiierung des deutsch-niederländischen Projekts e-H@C HUPAction, in dessen Verlauf ein System zur Verbesserung des Informationsaustauschs innerhalb der organisatorischen Infrastruktur im Interesse einer schnelleren Detektion, eines Monitorings und der Beherrschung von EHEC und anderen humanpathogenen Bakterien (HUPA) erarbeitet werden sollte.

Der Workshop “Cross border crisis management in food chains“ am 10./11. Dezember in Kleve wurde genutzt, um zum Ende des Projekts die zuvor identifizierten grenzüberschreitenden Krisen-Kommunikationsstrukturen in Deutschland und den Niederlanden im Bereich (pflanzlicher) Lebensmittel zu vergleichen und Schwachstellen zu erkennen. Dazu war eine Reihe von Vorarbeiten notwendig, da nicht nur die grenzüberschreitende, sondern auch die interinstitutionelle Kommunikation (Kommunikation zwischen Behörden, Unternehmen und Verbänden), die in beiden Ländern unterschiedlich organisiert ist, in die Analyse einbezogen werden sollte.

Meldestrukturen komplex und unterschiedlich
Die Meldestrukturen im Falle einer Lebensmittelkrise auf deutscher Seite wurden von GIQS e.V. im ersten Schritt im Hinblick auf geltende Gesetze, vorhandene Krisenpläne und Leitfäden identifiziert und ausgewertet. Basierend darauf wurden anschließend mit Experten der relevantesten acht Akteure im Bereich Krisenkommunikation und -management in Deutschland leitfadengestützte Telefoninterviews durchgeführt. Dabei handelte es sich um insgesamt sechs Behörden (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML), Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MKULNV), Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV)), einen Verband (Landwirtschaftskammer) sowie ein Unternehmen (Landgard). GIQS e.V. war nicht nur für diesen inhaltlichen Part zuständig, sondern auch als Leadpartner für die Koordination des Projekts sowie den Abschlussworkshops. Für die niederländische Seite hatte der Projektpartner RIKILT der Universität Wageningen die dortigen Meldestrukturen erarbeitet. Für die Niederlande wurden als wichtigste Akteure identifiziert: Nederlandse Voedsel- en Warenautoriteit (NVWA); Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu (RIVM) und Geneeskundige en Gezondheidsdienst (GGD).

Umso wichtiger für die niederländischen und deutschen Experten, die jeweils andere Seite umfassend kennen und verstehen zu lernen. Denn – so viel wurde schnell deutlich – die Meldestrukturen sind für Außenstehende nicht leicht verständlich. Abgesehen vom Europäischen Rapid Alert System für Food and Feed, dem Europäischen Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel, existieren zurzeit keine weiteren offiziellen grenzüberschreitenden Strukturen, jedoch gibt es zahlreiche informelle Kontakte, die von den Experten als wichtig eingeschätzt wurden. 

Möglichkeiten von Social Media nutzen
Darüber hinaus wurde eine im Verlauf des Projekts entwickelte IT-Anwendung von den insgesamt 25 am Workshop teilnehmenden Experten auf ihre Tauglichkeit im Hinblick auf eine schnellere Sichtung von begründeten Verdachtsmomenten für eine aufkommende Krise vorgestellt und diskutiert. Das von der Eitco GmbH im Auftrag der Hochschule Bonn Rhein-Sieg entwickelte Dashboard sorgte für rege Diskussionen und teilweise ungläubiges Staunen über dessen Möglichkeiten unter den Teilnehmern. So konnte gezeigt werden, dass über die Wahl geschickter Suchbegriffe und Suchfilter  mithilfe von Facebook, in Medien - wie z. B. Wikipedia oder Twitter -und anderen Social Media bereits unangemeldete Demonstrationen verhindert und bevorstehende Epidemien wie beispielsweise Grippewellen erkannt werden konnten.

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