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Internationalisierung

Uni Bonn festigt deutsch-chinesische Kooperation im landwirtschaftlichen Bereich

Prof. Dr. Friedhelm Jaeger (MKULNV) und Dr. Martin Hamer (li.) zu Besuch in China

Zwischen der Provinz Sichuan in China und dem Land Nordrhein-Westfalen besteht seit mehr als 20 Jahren eine enge Partnerschaft. Zahlreiche Professoren, beispielsweise einige der landwirtschaftlichen Eliteuniversität in Ya’an sowie hochrangige Funktionäre sind ehemalige Stipendiaten des Landes NRW. Hinzu kommt noch, dass die Landwirtschaftlichen Fakultäten der Universitäten Bonn und Ya’an u.a. auf vergleichbaren Gebieten arbeiten: Tierseuchenprävention, Qualitätssicherung im Bereich der Futter- und Lebensmittelsicherheit sowie Tiergesundheit und -schutz gehören zu den zentralen Aufgaben.

Eine Delegation deutscher Experten und Unternehmer reiste vom 1.- 8. Februar in die chinesische Provinz Sichuan: Besichtigungen in Schweinezucht- und Fleischverarbeitungsbetrieben gewährten insbesondere den deutschen Unternehmern einen guten Einblick in Standards und Gewohnheiten des Gastlandes. Das deutsch-chinesische Fachsymposium am 4./5. Februar diente dagegen mehr dem wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch. Am Rande des Besuchs nutzte Prof. Dr. Brigitte Petersen vom Institut für Tierwissenschaften der Universität Bonn und Beauftragte für Internationale Beziehungen der Universität die Delegationsreise darüber hinaus, um mit der Universität Ya’an über einen sog. Letter of Intent die Kooperation auf universitärer Ebene neu zum beleben: Gemeinsame Forschungsvorhaben sind ebenso angedacht wie der Austausch von wissenschaftlichen Kräften. 

Die deutsche Delegation interessierte besonders, worin sich Verbrauchergewohnheiten unterscheiden, wie es um die hygienischen Standards in Lebensmittel produzierenden Betrieben bestellt ist und wie Tierseuchenprävention in China gehandhabt wird, im übrigen auch Themen des Symposiums, das mit rund 200 Teilnehmern am ersten Tag sehr gut besucht war. Die chinesischen Gastgeber waren interessiert zu erfahren, was deutsche Betriebe an Standards erwarten z.B. hinsichtlich des Tierschutzes und der Lebensmittelhygiene, um künftig konkurrenzfähig auf dem deutschen und europäischen Markt zu sein. Insbesondere der Tierschutz ist gegenwärtig in China nicht so strikt geregelt wie in der EU, dürfte aber mit zunehmender Globalisierung schnell an Bedeutung gewinnen, so auch die Einschätzung der chinesischen Partner.

Schnell mussten die mitgereisten Unternehmer aus der Fleischwirtschaft feststellen: Schwein ist nicht gleich Schwein! Auch Konsumentengewohnheiten können sich stark unterscheiden! So schätzen die chinesischen Verbraucher beispielsweise die Schwarte des Schweins und lieben das Fett daran. Deshalb besitzen die dortigen Schweine auch mehr Fett. Teile wie Schweinenasen oder die gesamte Schwarte des Kopfes - bei uns praktisch unverkäuflich - finden dort ihren Weg in die Töpfe. Insgesamt ist die Zucht, Mast und Weiterverarbeitung der Tiere wesentlich breiter angelegt als in Deutschland. Schaut man dagegen bei uns in die Fleischtheken, könnte man meinen, ein Schwein bestehe lediglich aus Filet und Kotelett bzw. Schnitzel. 

Die hygienischen Standards in China sind landesweit uneinheitlich. Allerdings existieren auch bereits einige High-tech-Schlachtbetriebe, die den Vergleich mit deutschem Standard nicht zu scheuen brauchen.

Initiiert und finanziell ermöglicht wurde die Delegationsreise durch das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen. Die grenzüberschreitende Kooperation im landwirtschaftlichen Bereich wird auf Bonner Seite stark durch GIQS (Grenzüberschreitende Integrierte Qualitätssicherung e.V.) gefördert, dessen Geschäftsführer, Dr. Martin Hamer, das deutsch-chinesische Vorläuferprojekt initiiert hatte und der einige GIQS-Mitgliedsunternehmen für diese Reise gewinnen konnte.

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