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MeKoTech-Workshop

Tierschutz und Tiergesundheit - eine gesellschaftspolitische Gemeinschaftsaufgabe

Am 4. Oktober, dem offiziellen Welttierschutztag, traf sich in Bonn ein Kreis interessierter Fachleute zum zweitägigen MeKoTech-Workshop, um über das Thema „Tierschutzaspekte in der Fleischproduktion“ zu diskutieren. Ziel der Veranstaltung war es, ausgewählte Tierschutzaspekte aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und darauf aufbauend den Kooperations- und F&E-Bedarf zu eruieren. Einig waren sich die Referenten und Teilnehmer in der Einschätzung, dass künftig die Haltungssysteme verstärkt an das Tier und nicht das Tier an die Haltungssysteme angepasst werden müssten. Bei dieser Umorientierung und Umstellung dürfe der einzelne Landwirt nicht allein gelassen werden, benötige außer Know-how vor allem Rechtssicherheit. Eine Zusammenarbeit nach dem Public-Private-Partnership Ansatz wurde deshalb von den Teilnehmern als notwendig angesehen. Akteure auf politischer Ebene in Zusammenarbeit mit den Behörden, die gesamte Fleisch erzeugende und verarbeitende Wirtschaft sowie die Forschung könnten nur gemeinsam Tierschutzaspekte in der Fleischproduktion verankern. Darüber hinaus dürfe Tierschutz nicht isoliert betrachtet werden, sondern müsse im Kontext mit anderen Themen gesehen werden, was teilweise auch zu einer Werteabwägung führen könne, beispielsweise zwischen Tierschutz und Umweltschutz.

Tierschutz sei längst kein Nischenthema für spezielle Tage mehr, sondern ist im Alltag angekommen, werde sogar als Wahlkampfthema entdeckt, konstatierte Prof. Dr. Friedhelm Jaeger, Leiter des Referats VI-5 Tierschutz im Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen. Er widmete sich speziell dem Aspekt der Corporate Social Responsibility. Die weitaus überwiegende Mehrheit der tierhaltenden Landwirte stelle sich durchaus der Verantwortung zum Wohl der Tiere, trotzdem sei man über Jahre in Zwänge hineingewachsen, die das Kürzen von Schwänzen, Schleifen von Zähnen, Enthornen bei Rindern und dergleichen erforderlich gemacht hätten, und aus denen man so einfach von jetzt auf gleich nicht herauskomme.

Hansjörg Schrade vom Bildungs- u. Wissenszentrum (LSZ) Boxberg und Sprecher des Clusters Schwein bei der DAFA (Deutschen Agrarforschungsallianz) erläuterte, wie die DAFA durch ihre Arbeit dazu beiträgt, relevante Themen zu identifizieren und durch entsprechende Einspeisung bei Fördermittelgebern zu fördern. Er sprach auch das sehr hoch gesteckte politische Ziel an, das nicht nur auf die physische Gesundheit der Tiere abzielt, sondern auch auf deren Wohlbefinden, also ihr physisches und psychisches Wohl. Dazu erläuterte er Untersuchungen zu diversen Produktions- und Haltungssystemen, deren Vor- und Nachteile, die im Zentrum Boxberg durchgeführt wurden und die entsprechende Rückschlüsse auf das Wohlbefinden erlauben.

 

Erfahrungsberichte und aktuelle Forschungsergebnisse dominierten den zweiten Tag

Der zweite Tag der Veranstaltung war sehr konkreten praktischen Aspekten gewidmet: Inga Schwarzlose,

wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich Transport, Betäubung und Tötung unter der Leitung von Dr. Michael Marahrensim Institut für Tierschutz und Tierhaltung (ITT) des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), referierte zu Tierschutzaspekten bei der Elektrobetäubung von Schweinen sowie zur Produktqualität. Schwerpunkt des Vortrags waren Parameter zur Beurteilung des Betäubungsverfahrens (Betäubungsparameter, Verhaltensparameter, tierbasierte Parameter) sowie Faktoren zur Verbesserung der Betäubungseffizienz und Fleischqualität. Des Weiteren wurde möglicher Forschungsbedarf in diesem Bereich vorgestellt.

Sophia Schulze-Geisthövel, Doktorandin in der Abteilung Präventives Gesundheitsmanagement am Institut für Tierwissenschaften der Universität Bonn berichtete über zwei von GIQS koordinierte Projekte, bei denen es darum ging, mit wissenschaftlicher Unterstützung einen Systemwechsel in der Fleisch erzeugenden Ketten zu gestalten im Sinne der Anforderungen an Tierschutz, Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz. Dazu ging sie auf drei Herausforderungen ein, die gegenwärtig von der Fleischwirtschaft verlangt werden: Verzicht auf die Ferkelkastration, Verzicht auf das Kupieren von Schwänzen und Reduktion des Antibiotikaeinsatzes. Sie verdeutlichte, dass alle drei Anforderungen in einem Wirkungszusammenhang stehen und nur durch Anstrengungen aller Akteure der Kette zum Systemwechsel führen. Die enge Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft über eine gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsdatendank ist dabei ein Weg zur Beschleunigung dieses Prozesses, der im Rahmen des Projektes FIN-Q.NRW bereits erfolgreich abgesteckt wurde.

 

Datenbanken helfen beim Überblick

Die Bemühungen der Tiergesundheitsagentur eG (TiGA) um einen bundesweit einheitlichen Ferkel-Standard resultieren ursprünglich aus dem Bedürfnis der Viehvermarkter und deren Kunden, den Mästern, nach mehr Markttransparenz. Der von der TiGA eingeführte bundesweit einheitliche Standard für das Monitoring der Ferkelgesundheit stellt Informationen über eine Tiergesundheitsdatenbank zur Verfügung. Details hierzu erläuterte Dr. Achim Münster, Vorstandsvorsitzender der TiGA.

Auf ein weiteres Datenbanksystem, das zur systematischen Erfassung des Antibiotikaeinsatzes im QS Antibiotikamonitoring entwickelt wurde, das VetProof Datenbanksystems, berichtete Dr. Frank Götz, Vorstandsmitglied der Qualitype AG.

Das Innovationsnetzwerk MeKoTech ist ein Zusammenschluss von Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit dem Ziel, zur Verbesserung und Innovation des Qualitätsmanagements in den Wertschöpfungsketten der Agrar- und Ernährungswirtschaft beizutragen. MeKoTech wird durch GIQS e.V. (Grenzüberschreitende Integrierte Qualitätssicherung) im Bereich des Netzwerkmanagements unterstützt.

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