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Zoonosenseminar

Seminarteilnehmer übten: Hemmnisse erfassen und Krisen bewältigen

Rund 40 Teilnehmer aus Deutschland und den Niederlanden waren am 25. und 26. April nach Bonn gereist, um an einem Seminar über multiresistente Zoonosen teilzunehmen. Sie kamen aus Forschungseinrichtungen, Gesundheits- und Veterinärämtern sowie behördlichen Einrichtungen, die im Krisenfall mit der Bewältigung von Infektionsereignissen befasst sind.

Einleitend erfuhren die Anwesenden von einem Projektantrag, der sich mit der interdisziplinären Bekämpfung multiresistenter Erregern befasst sowie einem bereits laufenden kleineren INTERREG IV-Projekt, das in der Folge des EHEC-Ausbruchs 2011 initiiert worden war. „Ich wusste gar nicht, dass sich so viele Leute und Projekte mit der Thematik befassen,“ lautete dann auch der Kommentar eines Teilnehmers – eine Einschätzung, mit der er wohl nicht alleine stand.

Angeregte Diskussionen im Praxisteil

Da der praktische Teil der Veranstaltung inhaltlich in einem Expertenworkshop vor einigen Wochen vorbereitet worden war, fasste Prof. Dr. Brigitte Petersen, Leiterin der Abteilung Präventives Gesundheitsmanagement der Universität Bonn, diese Ergebnisse für die Teilnehmer zunächst zusammen und führte in den praktischen Übungsteil des Seminars ein, der zugleich den Abschluss des ersten Tages bildete. Dort wurde den Teilnehmern in vier Arbeitsgruppen ein Krisenszenario präsentiert und sie vor die Aufgabe gestellt, Hindernisse und mögliche Fehlerquellen für die Bewältigung von Krisen zu bewerten, in ihrer Bedeutung zu gewichten und mögliche Lösungen zu erarbeiten. Es zeigte sich, dass neben (fachlichen) Sprachbarrieren vor allem mangelndes Wissen über die jeweils anderen Strukturen, Bestimmungen und Mandate sich als hemmend für eine effektive Bewältigung von Krisen erweisen.

Ausbruchsmanagement am Beispiel des EHEC-Ausbruchs 2011

Mit dem tags zuvor erarbeiteten Wissen über die Hemmnisse der Krisenbewältigung folgten die Anwesenden zu Beginn des zweiten Tages gespannt einem Bericht von Prof. Martin Exner vom Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit des Universitätsklinikums Bonn über Krisenmanagement aus Sicht der Wissenschaft. Exner, der zugleich auch Vorsitzender der Trinkwasserkommission ist und als beratender Experte beim EHEC-Ausbruch 2011 auch die Gärtnerei besichtigen konnte, die maßgeblich zur Verbreitung des Keims beigetragen hatte, begann mit einem Rückgriff auf die Geschichte: Als Robert Koch beim Choleraausbruch in Hamburg 1812 hinzugezogen wurde, schaffte er es innerhalb weniger Tage, die Seuche in den Griff zu bekommen. Was damals für Robert Koch Gültigkeit hatte, nämlich die konsequente Untersuchung über Erreger, Population, Reservoir, Verbreitungswege und Feststellung der Betroffenen gelte auch heute noch, so Exner. Unerlässlich seinen allerdings ebenso Ortsbegehungen sowie hygienisch mikrobiologische Untersuchungen. In der Rückschau auf den EHEC-Ausbruch und seine Erfahrungen forderte er insbesondere neben einer strukturenübergreifenden Kommunikation die Bildung eines einzigen Managementteams, um dem für Außenstehende schwer durchschaubaren Gewirr von Zuständigkeiten zu begegnen.

Dr. Reinhard Velleuer, Abteilungsleiter Lebensmittelsicherheit in der 2011 für das EHEC-Krisenmanagement zuständigen Behörde, dem Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, beleuchtete die damalige Krise aus Sicht seiner Behörde. Hilfreich war für viele Zuhörer seine Darstellung der prinzipiellen Zuständigkeiten und Abläufe. Velleuer betonte, jeder Krisenfall habe auch seine gute Seite, da man durch jede Krise lerne und Abläufe verbessere. Als wesentliche Maßnahmen für die Zukunft nannte er die Einrichtung einer Task Force Lebensmittel, die Erstellung von Krisenorganigrammen, Verbesserung der übergreifenden Zusammenarbeit sowie eine Verkürzung der Meldewege. 

Ausblick auf künftige Probleme und Entwicklungen

Auch Dr. med. Hilmar Wisplinghoff, Laboratoriumsmedizin Köln, sah in der mangelnden Kooperation der Strukturen einen Schwachpunkt im Hinblick auf die Eindämmung multiresistenter Erreger. Er sehe mit Sorge, dass seit einiger Zeit Erreger, die bisher nur in bestimmten Regionen der Welt vorgekommen seien, sich mittlerweile flächendeckend ausbreiteten. Dazu gebe es gegenwärtig noch keinerlei Erfassung und Kommunikation. Auch im Hinblick auf die Verbreitung gramnegativer multiresistenter Erreger existiere derzeit noch keinerlei formalisierte Struktur.

Da in allen Redebeiträgen der mangelnde Zugriff auf bestimmte Informationen beklagt worden war, stellte Patrick Pongratz, Eitco GmbH, im letzten Beitrag des Seminars konsequenterweise zwar eine viel diskutierte und kritisch beäugte, aber doch mögliche Lösung dieses Problems vor. Er sprach über Cloud Computing. Im Krisenfall würden demnach vordefinierte Daten in die Cloud abgegeben, damit diese dort dem entsprechenden Kreis zur Verfügung stehen.    

„In der Abschlussdiskussion äußerten die Seminarteilnehmer den Wunsch aus, den Erfahrungsaustausch zwischen Verantwortlichen in der Krisenbewältigung in den Niederlanden, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen fortzuführen.“

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