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Lebensmittelskandal

"Kontroll-Chaos macht es Betrügern leicht"

Kalle Kolodziej / fotolia.de

Pferdefleisch wird zu Rindfleisch, Eier aus Intensivtierhaltung werden zu Bioeiern. Und nun auch noch Schimmelpilze in Futtermitteln. Der Ruf nach mehr Kontrollen macht wieder die Runde. Doch bekannt ist auch, dass Lebensmittelkontrolleure und Veterinärbehörden aufgrund ihrer personellen Besetzung nur Stichproben machen und keinesfalls flächendeckend überwachen können. So verpflichtet beispielsweise das EU-weit geltende Lebensmittelrecht die Wirtschaft dazu, Eigenkontrollen durchzuführen und die Verantwortung für die Sicherheit von Lebensmitteln zu übernehmen.

Gleichzeitig sind die Behörden aufgefordert, ihre Tätigkeiten zu reorganisieren, risikoorientierte Kontrollen und das Prinzip der Kontrolle der Kontrolle einzuführen. Während das Verfahren in den Niederlanden bislang schon sehr gut umgesetzt ist, verhält man sich in Deutschland weitaus zögerlicher. „Kontrollen in die private Hand zu verlagern, ist nicht zwangsläufig nachteilig, problematisch sind lediglich unabgestimmte Vorgehensweisen. Das Kontroll-Chaos macht es Betrügern leicht,“ meint Prof. Dr. Brigitte Petersen, Vorsitzende von GIQS und Leiterin der Abteilung Präventives Gesundheitsmanagement (ITW) der Universität Bonn. Oft werden Daten nicht ausgetauscht, nicht zwischen Behörden und der Wirtschaft, nicht zwischen Bundesländern und erst recht nicht über Landesgrenzen hinweg. Als Vorwand dafür dienen oft Datenschutzbestimmungen. Außerdem ist meist nicht klar, welche Daten wann benötigt werden, oder Grenzwerte und Erhebungsgrundlagen sind nicht harmonisiert.

Im INTERREG IVA Projekt SafeGuard wurden bereits in mehreren Arbeitspaketen Vorschläge zur Verbesserung und Harmonisierung von Informationen vorgelegt. So wurden Leitfäden erarbeitet und publiziert zur risikobasierten Fleischuntersuchung ohne Anschnitte beim Schwein, zum Monitoring bei Ferkeln in den Niederlanden und in Deutschland mit Hinweisen für Beprobung, Versand, Laboruntersuchung und Ringtests - um nur einige zu nennen. Darüber hinaus finden im März und April einige ergänzende Krisenübungen und Workshops statt mit dem Ziel, den notwendigen Informationsaustausch zu verbessern bzw. Abläufe zu testen.

Am 7. März wird im Rahmen des Projekts SafeGuard eine strategische Table-Top-Übung durchgeführt. Thema der Krisenübung ist der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche im deutsch-niederländischen Grenzgebiet. Für diese Simulation entsenden die für das nationale Krisenmanagement verantwortlichen Veterinärbehörden Mitarbeiter, die dann vor Ort die erforderlichen nationalen Maßnahmen erläutern und über grenzüberschreitende Optionen diskutieren.

Vom 12.- 13.3. findet im niederländischen Groningen ein Expertenworkshop zum Thema Multiresistente Zoonosen statt. Sollte ein antibiotikaresistenter, zoonotischer Infektionserreger in einer Grenzregion ausbrechen, sind Entscheidungsträger verschiedener Disziplinen auf beiden Seiten der Grenze gefordert. Zahlreiche Informationen müssen gesammelt, ausgewertet, weitergeleitet und auf deren Grundlage Entscheidungen getroffen werden. Verantwortungsbereiche und Kommunikationswege sind in jedem Land und in jedem Kompetenzbereich verschieden. Daher sollten Art und Weise einer kollaborativen Zusammenarbeit auf beiden Seiten der Grenze feststehen. Teilnehmen werden Personen der lokalen Veterinär- und Gesundheitsämter im Grenzgebiet und Experten aus Behörden, die bereits Erfahrungen während des EHEC-Geschehens 2011 sammeln konnten. Ziel der Veranstaltung ist es, eine gemeinsame Vorgehensweise für ein Krisenseminar am 25./ 26. April in Bonn zu erarbeiten. Veranstalter dieses Seminars sind GIQS, das ITW der Universität Bonn und das Universitätsklinik Groningen (UMCG).

Außerdem wird am 19. 3. in einem Expertenworkshop in Sonsbeck der Prototyp eines Informationstools für die Kommunikation zwischen Wirtschaft und Behörden im Tierseuchenfall getestet („SafeGuard - AAM - IT-Support für die public-private Kommunikation im Tierseuchenfall“).

Die genannten Veranstaltungen sind Teil des Projekts SafeGuard, das nach fünfjähriger Laufzeit dem Ende entgegen geht. Mehr Informationen zum Projekt und den bisherigen Ergebnissen finden Sie auch auf der Projektwebsite unter
http://safeguard.giqs.org/index.php

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