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34. GIL-Tagung in Bonn

Informations- und Kommunikationstechnologien für das Risiko- und Krisenmanagement rücken in den Vordergrund

Teilnehmer der Podiumsdiskussion (v.l.n.r.): Patrick Pongratz (eitco), Andreas Zapf (LGL), Brigitte Petersen (Uni Bonn), Jan Pohlmann (BLE), Martin Hamer (GIQS), Verena Schütz (DRV)

Moderne Informationstechnologien sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, das gilt auch für die Agrar- und Lebensmittelwirtschaft. Seit Gründung der Gesellschaft für Informatik in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft e.V. (GIL) 1980 haben sich IT-Standards und Anwendungsbereiche deutlich weiterentwickelt, sind neue Herausforderungen gewachsen. Auf ihrer 34. Jahrestagung vom 24.-25. Februar, zu der rund 120 Teilnehmer in das Rheinische LandesMuseum nach Bonn gekommen waren, stand das Risiko- und Krisenmanagement im Fokus.

Branchenspezifische IT-Lösungen und internationale Standards unentbehrlich
Da in den nächsten Dekaden mit einer starken Zunahme des globalen Handels mit Futter- und Lebensmitteln zu rechnen ist, stellt das die internationale Agrar- und Ernährungswirtschaft, den Lebensmittelhandel sowie die öffentliche Hand vor die Herausforderung, grenzübergreifende begleitende Sicherheitssysteme ökonomischer, zuverlässiger und kompatibel zu gestalten. Mit der Globalisierung verbunden sind nicht nur ökonomische Chancen, sondern auch vielfältige Risiken wie die Einschleppung gefährlicher Keime oder falsch bzw. unzureichend deklarierte Waren. Sicherheitssysteme müssen deshalb weiterentwickelt werden und dabei ökonomisch, zuverlässig und grenzüberschreitend kompatibel gestaltet sein. Standards sind in diesem Zusammenhang geeignete Mittel, Prozesse und Wertschöpfungsketten durchgängig, transparent und effizient zu organisieren. Im Fokus des Risiko- und Krisenmanagements stehen dabei Entscheidungs- und Kommunikationsstrukturen zwischen Wirtschaft und Behörden. Denn in Ausnahmesituationen ist die schnelle Verfügbarkeit entscheidungsrelevanter Informationen zur Abschätzung von Schadenslagen Voraussetzung für eine rasche Krisenbewältigung.

Einen Einblick in die Arbeit des Nationalen IT-Reaktionszentrums vermittelte zu Beginn der Tagung Stefan Ritter, Referatsleiter im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, der mit seinem Vortrag die Teilnehmer für die Komplexität von Krisenszenarien sensibilisierte und damit auf das Kommende einstimmte. Es folgten Vorträge zur ökonomischen Bewertung und zu Optimierungssystemen, zu diversen Simulationsmodellen, zu Wissensdatenbanken und Datenstandards in der Lebensmittelkette. Ergänzt wurden die wissenschaftlichen Vorträge durch zwei Postersessions und sieben Workshops, in denen Wirtschaft und Wissenschaft praxisnahe Themen diskutierten. Sowohl Anbieter als auch Nutzer technisch organisatorischer Innovationen im Risiko- und Krisenmanagement schätzten die besondere Atmosphäre des Orts der 34. GILJahrestagung.

GIL-Preise und Buchpräsentation
Auch in diesem Jahr förderte die GIL gemäß ihrer Ziele erneut die kostenfreie Teilnahme von fünf Studierenden an der Tagung. Die diesjährigen Nachwuchsförderpreise für innovative Agrarinformatik gingen an Dr. Beate Pinior für ihre Dissertation zum Thema „Application of Models for Safeguarding the Milk Supply Chain“ und an Dipl.-Ing. Rudolf Schraml für seine Masterarbeit zum Thema “TreeBIO – Preliminary study on traceability of tree logs using digital log end images“. Als preiswürdige angewandte innovative Agrarlösung stufte die GIL die Software-Lösung „trecker.com“ der BM12 Software as a Solution GmbH ein und widmete ihr die GIL-Auszeichnung für Informationstechnologie in Wirtschaft und Verwaltung.

„Trecker.com“ erfasst alle für den Lohnunternehmer relevanten Daten - von der Arbeitszeit über den Dieselverbrauch bis zur Schnittlänge des Häckslers sowie GPS-Koordinaten. Die Auszeichnungen wurden im Rahmen einer Abendveranstaltung am 24. Februar verliehen. Bonn war als Austragungsort gewählt worden, weil in der Region zahlreiche Organisationen, Wirtschaftsunternehmen und Behörden, die sich sowohl mit Landwirtschaftsbelangen wie auch IT-Lösungen für diesen Bereich befassen, angesiedelt sind. Die Universität Bonn verfügt darüber hinaus NRW-weit über die einzige Landwirtschaftliche Fakultät und seit 2006 über das fakultätsübergreifende Internationale FoodNetCenter, das bundesweit als Innovationskern bezogen auf Querschnittsthemen wie Qualitäts- und Krisenmanagement gilt.

Im Rahmen der GIL-Jahrestagung wurde darüber hinaus auch das soeben erschienene Buch „Quality and risk management in agri-food chains“ präsentiert, das von Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbands, Prof. Dr. Brigitte Petersen (Vorsitzende des International FoodNetCenter der Universität Bonn) und Dr. Martin Hamer (Vorsitzender GIQS e.V) herausgegeben wurde. Da sowohl Petersen wie Hamer auch Mitorganisatoren der diesjährigen GIL-Tagung waren und das Buch thematisch hervorragend den Fokus der Tagung aufgriff, entschied man sich, das Werk als Ergebnis langjähriger Forschungs- und Lehrtätigkeit den Teilnehmern der Tagung als sinnvolle Ergänzung zu präsentieren.

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