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Food-KIC

Food4Future - Sind unsere Lebensmittel zukunftsfähig?

Dieser Frage gingen am 4. Juni ausgewählte Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung und Forschung nach. Im Bonner Forschungszentrum caesar tauschten sie in einem Workshop ihre jeweiligen Gedanken und Wünsche darüber aus, wie Innovationen im Bereich der Agrar- und Ernährungsbranche initiiert und gefördert werden können. Welche Themenfelder sind dabei von herausragender Bedeutung und wer könnte wo ansetzen? Geplant sind zwei weitere vergleichbare Gesprächsrunden, eine in Stuttgart und eine in Berlin, um so Input von der Wirtschaft für die Gestaltung der nächsten Europäischen Förderperiode im Rahmen des geplanten Food-KIC (Knowledge and Innovation Community) zu erhalten. Diese KIC-Initiative soll die Branche in Europa von der Idee bis zur Markteinführung unterstützen und für künftige Herausforderungen stärken, getreu dem Motto: „Food4Future“.

In seinem Impulsvortrag zeigte Hans-Jürgen Matern von der Metro-Gruppe am Thema Fischfang und dessen Vermarktung vor dem Hintergrund der Überfischung und des Klimawandels auf, wie sein Unternehmen sich dieser Herausforderung stellt. In einem Markt, in dem weltweit agiert wird, der hart umkämpft ist und belastet durch ein beträchtliches Maß an illegaler Fischerei, stellt dies geradezu eine Herkulesaufgabe dar. Das Oberziel, so Matern sei, 2050 rund zehn Millionen Menschen mit ausreichend Proteinen aus den Weltmeeren versorgen zu können. Unter den vielfältigen Aktivitäten hob er zwei besonders hervor: Zum einen das bei der Metro etablierte System der Rückverfolgbarkeit des gefangenen Fischs und der dazu eingeführten Cloudlösung. Zum anderen die ‚Ocean Sustainable Seafood Initiative’, die als unabhängige Einrichtung Informationen und Forschung zu Fischfang und Handel liefert.

Der Frage, wer eigentlich Innovationstreiber für Landwirtschaft, Agrar- und Ernährungswirtschaft sein kann, widmete sich Dr. Hanns-Christoph Eiden, Präsident der BLE (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung). Als Hemmfaktoren für nachhaltige Innovationen identifizierte er, ebenso wie Dr. Maren Bruns (GIQS und Mitinitiator der Veranstaltung), die in ihrem Vortrag vor allem den Ablauf von Innovationen beleuchtete, mehrere Faktoren. Entscheidend seien neben einer unzureichenden Vernetzung der Akteure, Diskontinuität von Wissensträgern, zu kurze Förderlaufzeiten sowie fehlende Erfahrung und fehlendes Kapital.

Um ausreichend Nahrungsmittel in hochwertiger Qualität auch in kommenden Jahrzehnten bereitstellen zu können, muss es zu Innovationen in mehreren Bereichen kommen. Einen davon beleuchteten Dr. Judith Kreyenschmidt (Universität Bonn) und Dr. Stephan Maurer (Hochschule Bonn Rhein-Sieg). Sie gingen auf die Möglichkeiten zur Reduktion von Lebensmittelabfällen ein. Bedenkt man, dass ‚Food Waste’ z.B. im Geflügelbereich jährlich in einer Größenordnung von mindestens 43.000 t anfällt mit einem Gegenwert von rund 223 Mio. Euro (was ca. 40 Mio. Tieren entspricht), so wird die Dimension des Problems deutlich. Dabei wäre eine Verbesserung durchaus möglich, beispielsweise durch den Einsatz von Sensortechnologien zur genaueren Bestimmung der mikrobiellen Anfangsbelastung der Lebensmittel, was wiederum eine exaktere Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums erlauben würde.

Derart auf die Thematik eingestimmt, diskutierten die Teilnehmer anschließend die Möglichkeiten zur Überwindung von Hemmnissen im Bereich Technologieentwicklung, Nachhaltigkeit und Qualitätskommunikation.     

Unterstützt wurde die Veranstaltung durch die Stadt Bonn und die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

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