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Gefahr erkannt – Gefahr gebannt?

Effektive Bekämpfung von Tierseuchen durch aktuelle Datenbestände erleichtern - getestete und evaluierte Konzepte liegen vor

Ende Januar 2014 trat die Afrikanische Schweinepest erstmals in Litauen in zwei Regionen an der Grenze zu Weißrussland auf und erreichte somit EU-Gebiet. Dass sie irgendwann auch nach Europa kommt, ist Fachleuten schon seit längerem klar, denn bereits seit 2007 breitet sich die Viruserkrankung im kaukasischen Raum sowie in der Russischen Föderation aus. Welche Maßnahmen im Falle von hoch ansteckenden Tierseuchen wie der Afrikanischen Schweinepest zu ergreifen sind, ist von der EU geregelt. Hierzu zählen die Suche nach möglichen Eintragsquellen und Verbreitungswegen des Seuchenerregers sowie das Sperren und Räumen von betroffenen Betrieben. Je aktueller und genauer diese Daten sind, desto  effizienter können Entscheidungen für die Eindämmung einer Seuche getroffen werden.

Datenbestände der behördlichen Überwachung können jedoch nicht immer topaktuell und vollständig für jeden Betrieb vorhanden sein. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zusätzliche Ermittlungen im Tierseuchenfall sind jedoch zeit- und personalintensiv. Deshalb wurde im Rahmen des INTERREG IV-Projekts SafeGuard nach Konzepten gesucht, die es gestatten, vordefinierte privatwirtschaftlich erhobene Daten bedarfsgerecht den verantwortlichen Behörden zur Verfügung zu stellen. Dazu wurde von der Firma Johan Zandbergen Investments (JZI) ein IT-Tool bereitgestellt und in einem Workshop von Experten auf seine Tauglichkeit hin getestet. „Die Funktionen des Tools wurden von allen Experten als nachvollziehbar und plausibel erachtet“, erläutert Dr. Alexander Ellebrecht von JZI. „Im Rahmen des Projekts konnten wir testen, ob das entwickelte Konzept geeignet ist, die Kommunikation zwischen Behörden und Landwirten beziehungsweise den Erzeugergemeinschaften, die hier als Netzwerkkoordinatoren eine weitergehende Rolle übernehmen, zu verbessern. Und das Ergebnis war sehr zufriedenstellend.“

Da es bei dem Vorgehenskonzept darum geht, zeitlich befristet betriebsindividuelle Daten weiterzuleiten aufgrund dessen Behörden Entscheidungen treffen sollen, war es wichtig, das gegenseitige Vertrauen zu stärken. Besonders wichtig für die behördliche Seite sind dabei insbesondere die tierseuchenrelevanten Kontaktstrukturen.

„Im Rahmen von SafeGuard konnten wir in einer großangelegten Tierseuchen-Krisenübung, aber auch in nachfolgenden Workshops, Vertreter der Wirtschaft, der behördlichen Seite und der Forschung zusammenbringen,“ so Dr. Oliver Breuer, SafeGuard Projektleiter bei GIQS. „So war es möglich, der jeweils anderen Seite Entscheidungswege und Bedenken zu verdeutlichen und letztlich auch vertrauensbildend zu wirken.“ 

Bei den Übungen wurde jedoch auch deutlich, dass für eine breite Implementierung und Verbesserung der Kommunikation im Tierseuchenfall Landesbehörden Vereinbarungen zu Datenaustausch und -aufschaltung zwischen Allianzpartnern definieren müssen, um Fragen zu Datenqualität, Datenschutz, Kosten und Verantwortlichkeiten der IT-Nutzung klären zu können. Darüber hinaus wäre ein Betreiberkonzept festzulegen, welches die Verantwortlichkeiten für Provider, Betreiber und Endnutzer eines solchen möglichen IT-Tools festlegt.

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