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Tierwohl-Initiative

Die Wissenschaft kann helfen, neue Lösungsansätze zu finden und zu erproben

Was erwarten Sie von der Branchen-Initiative Tierwohl, die im September 2013 von den Spitzenvertretern der Branche verabschiedet wurde und von der erwartet wird, dass sie 2014 Fahrt aufnimmt?

Petersen: Die Umsetzung der Initiative verlangt von den Landwirten eine Umstellung ihrer Systeme und das setzt zwangsläufig Investitionen voraus. Bei den Schweine haltenden Betrieben geht es insbesondere um drei Aspekte: den Verzicht auf die Eberkastration, den Verzicht auf das Kürzen von Schwänzen und die Verbesserung des Gesundheitsstatus der Tiere, um den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren. Ich hoffe, dass über die Initiative Tierwohl Anreize geschaffen werden, damit zum einen ausreichend finanzielle Mittel verfügbar sind, und zum anderen, dass möglichst alle Tierwohl-Aspekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette berücksichtigt werden, nicht nur bei den Schweinehaltern. Auch hinsichtlich Tiertransporten und Schlachtung wird einiges optimiert werden müssen, was ebenfalls nicht ohne Investitionen möglich ist. Deshalb ist es sicher nicht realistisch, alles direkt und gleichzeitig einzuführen. Ich bin der Meinung, dass tatsächlich ein stufenweises Vorgehen angebracht ist.

Wo sehen Sie den Mehrwert der Initiative?

Petersen: Bereits vor Jahren haben erste Studien gezeigt, dass durchaus ein Markt für Fleischprodukte besteht, bei dessen Herstellung Tierwohl-Kriterien berücksichtigt werden. Diese Kriterien müssen nicht ausschließlich auf Bioprodukte und Labels beschränkt sein. Tierwohl-Aspekte können und sollten auch in der konventionellen Landwirtschaft Berücksichtigung finden - das ist der Verbraucher bereit zu honorieren. Damit der Lebensmitteleinzelhandel, der die Initiative auch finanziell unterstützt, flächendeckend und in ausreichendem Umfang Produkte bereitstellen kann, die Tierwohl-Aspekte abdecken, war ein branchenübergreifendes gemeinsames Vorgehen unerlässlich. Die Tierwohl-Initiative könnte damit zu einem Meilenstein in Richtung Tierwohl werden.

Wo sehen Sie noch Forschungsbedarf? 

Petersen: Im Bereich Schwein ist eine Voraussetzung für die Umstellung die Verbesserung des Gesundheitsstatus der Tiere. Hier geht es darum, Monitoring-Aktivitäten zu erleichtern, zu harmonisieren und darum, sie möglicherweise kostengünstiger zu gestalten. Tierwohl-Aspekte sind in diese Maßnahmen bisher noch nicht so umfassend eingeflossen wie dies möglich sein könnte. Unsere Expertise insbesondere aus den jüngsten Projekten wie SafeGuard oder Quarisma bezieht sich darüber hinaus beispielsweise auf Untersuchungen wie Krankheiten sich entlang der Wertschöpfungskette verbreiten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei Maßnahmen für eine verbesserte Kommunikation zwischen Wirtschaft, Forschung und Behörden. Wie ist die zu optimieren? Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir aus Vorarbeiten hierzu bereits auf branchenübergreifende Konsortien zurückgreifen können, was die Forschung sowie die Umsetzung in die Praxis erleichtert.

Prof. Dr. Brigitte Petersen gehört dem GIQS-Vorstand an und ist Leiterin der Abteilung Präventives Gesundheitsmanagement an der Universität Bonn.

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