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Quarisma-Abschluss

Aus Krisen lernen und was dabei hilft

Mit einer Konferenz in Berlin am 11./12. Juni und einem Workshop am 16. Mai im niederländischen Wageningen ging das EU-geförderte Projekt Quarisma in seine Schlussphase. Rund 50 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutierten in Berlin globale Herausforderungen für die Agrar- und Ernährungsbranche. Was muss getan werden, um sichere und hochwertige Lebensmittel zu erzeugen und diese in globalen Märkten zu handeln? Aus Krisen lernen - so das übergeordnete Thema der Veranstaltung.
Im Quarisma-Projekt, das nach vierjähriger Laufzeit nun zu Ende geht, ging es neben wissenschaftlichen Aspekten vor allem um die Weiterbildung von qualifiziertem Personal im Qualitäts- Krisen- und Risikomanagement der Agrar- und Ernährungsbranche. Junge Wissenschaftler und erfahrene Praktiker erhielten durch die Teilnahme am Projekt die Gelegenheit, die jeweils andere Seite kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und die eigene Karriereentwicklung dadurch positiv zu beeinflussen – und das grenzüberschreitend. Insgesamt konnten 23 Wissenschaftler über einen Zeitraum von insgesamt 312 Personenmonaten eine andere Institution kennenlernen. Bei 13 Wissenschaftlern handelte es sich um einen grenzüberschreitenden Austausch; innerhalb Deutschlands waren es sieben Personen, drei weitere wurden extern für spezielle wissenschaftliche Aufgaben des Projekts rekrutiert. Bei Quarisma handelte es sich um eines der größten von der Europäischen Union in diesem Segment geförderten Projekte. Das IAPP Element (Industry-Academia Partnerships and Pathways) der Marie-Curie-Maßnahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms unterstützte damit den interdisziplinären, intersektoralen und internationalen Ansatz des Projekts, koordinierender Lead Partner im Projekt war GIQS e.V..


Mitarbeiter als Innovationspotential begreifen
Insbesondere kleinen- und mittelständischen Unternehmen, die meist nicht über eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilugen verfügen, ist es oft nur möglich, Innovationen zu schaffen oder gar neue Märkte zu erobern, wenn sie die Chance zu Kooperationen erhalten oder sich Netzwerken anschließen – das belegen zahlreiche Untersuchungen. Das Projekt Quarisma bot den teilnehmenden deutschen und niederländischen Organisationen die Möglichkeit, Personal auszutauschen, eine Gelegenheit, die auch einige der Teilnehmer und Redner der abschließenden Konferenz genutzt hatten. Das Thema der Qualifizierung von Personal sowie der Aus- und Weiterbildung wurde von allen Rednern als entscheidendes Kriterium für ein effektives Qualitätsmanagement und entscheidendes Kriterium für Innovationen gesehen.
Doch nicht nur die weitere Qualifizierung von Wissenschaftlern sei entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens, vielmehr gehe es auch darum, Personal mit geringerer Qualifikation und ungelernte Kräfte zu fördern und im Sinne eines Qualitätsmanagements zu bilden, ergänzte Dr. Jorg-Günther Grunwald vom Bundesinstitut für Berufsbildung. Er plädierte für Qualitätssicherung durch Qualifikation in jeder Stufe der Wertschöpfungskette. Berufsbildung sei letztlich keine bildungspolitische, sondern eine wirtschaftspolitische Maßnahme und nicht zuletzt deshalb auch Bundesangelegenheit.

Auch Wissenschaftler müssen sich in einem globalisierten Wirtschaftzweig dem Prozess des lebenslangen Lernens stellen und Weiterbildung dürfe sich nicht auf nationale Qualifizierungsprogramme beschränken, forderte Dr. Susanne Lehnert, die selbst über das Programm Quarisma von Agrizert an die Universität Wageningen ausgetauscht worden war. Sie erläuterte die Bestrebungen der Universitäten Bonn, Wageningen, Bayreuth und Göttingen, gemeinsam eine lizensierte Weiterbildung zum Qualitäts- und Risikomanager über die EOQ (European Organization for Quality) anzubieten.


Kein Fortschritt ohne Innovationen
Neben der Qualifizierungsthematik wurden darüber hinaus noch weitere Aspekte und Initiativen vorgestellt, die letztlich alle dazu dienen, insbesondere klein- und mittelständischen Unternehmen den Zugang zu Innovationen zu erleichtern, u.a. durch Claudia Martina Buhl vom VDI/VDE. Dr. Michael Winter vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz (BMELV) widmete sich dem Thema des Control of Control und zeigte dabei die Dimension der staatlichen Überwachung auf und Dr. Momme Matthiesen stellte die vom Deutschen Raiffeisenverband gegründete Allianz Futtermittelsicherheit vor, die dazu dienen soll, Krisen zu vermeiden - genannt seien hier nur Dioxin in Futtermitteln oder Aflatoxin in Futtermais. Zur Sprache kam aber auch eine Initiative zum Vergleich und zur Harmonisierung von Tiergesundheitsmanagementsystemen, die durch eine Austauschwissenschaftlerin an der Universität Wageningen, Dr. Anja Czekala, angeregt wurde.

Besonderes Interesse fanden darüber hinaus auch die Ausführungen von Christian Leding von Westfleisch, der über Maßnahmen seines Unternehmens berichtete, die Mitarbeiter stärker für nachhaltige Ideen zu bilden. Westfleisch als genossenschaftliches Unternehmen fühle sich außerdem dem Nachhaltigkeitsgedanken verpflichtet und lasse sich deshalb extern auf Nachhaltigkeit auditieren. Außerdem erstelle sein Unternehmen einen CO2-Fußabdruck über den gesamten Lebenszyklus der Tiere.


Hilfreiches von A wie Analytik bis Z wie Zoonosenbeherrschung

Der zweite Tag der Quarisma-Abschlusskonfernez war konkreten Beispielen für ein effektives Risiko- und Krisenmanagement gewidmet. Wie sich gefährliche Erreger detektieren lassen und wie eine moderne Analytik aussieht, die sowohl dem zeitlichen Druck der Unternehmen als auch dem Sicherheitsbedürfnis der Verbraucher gerecht wird, erläuterte Dr. Georg Berns vom Dr. Berns Laboratorium.

Die Bedeutung einer guten Analytik und die Verantwortung der Fleischwirtschaft unterstrich auch die Tierärztin Dr. Anne Hiller von der Vion Food Group. Jeden Tag essen 150 Millionen Verbraucher weltweit VION-Fleisch! Da gilt es, richtige Prioritäten in der Beherrschung zu setzen. Sie schilderte u.a. an den Fallbeispielen Mycobacterium avium und Toxoplasma gondii, beides für den Menschen Krankheiten auslösende Erreger, die bei Vion angewendeten Maßnahmen zu deren Beherrschung, beispielsweise über serologisches Monitoring im Schlachtbetrieb.

Ein weiteres, effektives Hilfsmittel für die Beherrschung von Krisensituation könnte auch die beim Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) aufgebaute zentrale Krisenmanager-Datenbank sein, über die Dr. Marcus Girnau berichtete.

Zwischen dem BMELV, dem DRV, dem BLL und GIQS wurde abschließend vereinbart, das Konzept der Public-Private-Partnership-Krisenübungen weiterzuführen. Die Beteiligten sahen darin eine gute Möglichkeit, die Kommunikation zwischen Wirtschaft und Behörden zu etablieren - aus Krisen gelernt!


Alle Vorträge können Sie auf unserer Website unter
www.giqs.org/projekte/quarisma/abschlusskonferenz

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